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EVIL BREED - THE LEGEND OF SAMHAIN[/center]
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Evil Breed
Kanada 2003
ca. 80 Minuten
Regie: Christian Viel
Darsteller: Bobby Philipps, Ginger Lynn Allen, Howard Rosenstein, Taylor Hayes, Jenna Jameson, Richard Grieco, Lael Stellick u.v.m.
Deutsche DVD von I-ON New Media[/center]
Wer mochte sie nicht, die Klassenfahrten. Fernab von der Schule, kein allzugroßer Stress mit den Lehrern, Albernheiten ohne Ende, vom einen Koma ins andere Koma saufen und Mädels, Mädels, Mädels. Ja, für viele waren Klassenfahrten eine wirklich schöne Angelegenheit. Nur manchmal können diese auch mächtig nach hinten losgehen und ein wahres Graues werden. So auch für Karon, eine Lehrerin, welche mit einem kleinen Teil ihrer Klasse – insgesamt gerade mal fünf Schüler – nach Irland gedüst ist, um dort eine geruhsame Zeit zu verbringen.
Damit Zeit gespart werden kann, bleiben die Charaktere eindimensional und wurden schon in tausend anderen Filmen gesehen: das ständig knutschende und frisch verliebte Pärchen, eine heiße Maus die sich keusch gibt, der machohafte und flegelhafte Aufreißer und ein graues Mäuschen, welches sich von den anderen abkapselt und deswegen immer ordentlich Sprüche um die Ohren gekloppt bekommt. Irgendwann kommt Karon mit ihrer Teeniebande und dem klapprigen Kleinbus an der angemieteten Hütte an und trifft dort zur Überraschung ihren Freund Paul an, welcher ganz schnell zu ihr gedüst ist, damit sie nicht so allein ist und man später im Film noch ein Opfer mehr hat.
Es geht seinen gewohnten Gang, die Kids blödeln, hacken auf der angesprochenen grauen Maus Shea rum und werden von der strengen aber doch gütigen Karon gemaßregelt. Bis hierhin könnte man EVIL BREED auch locker als typische Ami-Soap bezeichnen, so geschmalzt wird hier. Nicht ganz so trashig-dümmlich wie im kultigen MUTILATOR, aber dennoch knapp an der Schmerzgrenze kratzend. Wenn... ja wenn da nicht der Hausmeister Gary wäre. Ein wenig durchgeknallt der Typ, welcher sowohl Karon als auch den Teens immer mit strengem Blick erklärt, daß man nicht vom rechten Weg abkommen soll. Aufgrund eines ganz nett inszeniertem Prolog nickt der Zuschauer beim lauschen der düsteren Worte Garys wissend – freut sich aber auch schon insgeheim auf den Punkt, bis jemand natürlich doch vom rechten Weg abkommt.
Dies geschieht dann durch unser knutschendes Pärchen, welches in einer lauen Nacht den Wald nach einer romantischen Stelle zum Knattern absucht, dabei aber auf ein unbekanntes und Interesse weckendes, altes Gemäuer trifft. Man erkundet dies und schnell wird es dem Mädel zu unheimlich, während unser wackerer Bursche gerne noch ein wenig mehr vom Innenleben des Gemäuers sehen möchte. Was er allerdings nicht weiß: Die von Karon bei einer Besichtigung einer alten Kultstätte erzählte Geschichte über den Beane-Clan, welcher im 15. Jahrhundert in einer Höhle in Schottland hauste, sich durch Inzest fortpflanzte, vorbeikommende Wanderer verspeist hat und deren Nachfahren angeblich nach Irland ausgewandert sind und immer noch existieren, ist wahrer als angenommen. Denn besagte Nachfahren haben es sich in genau diesem Gemäuer häuslich eingerichtet und haben auch schon die kleine Hütte der Klasse entdeckt und beginnen, Jagd auf die Menschen zu machen.
Es wurde über EVIL BREED – THE LEGEND OF SAMHAIN ja schon seit einiger Zeit im Internet ein mächtiges Tam Tam betrieben, da Regisseur Christian Viel so seine lieben Probleme mit dem Film hatte, ihn überhaupt an den Mann zu bringen. Es kursierte ein komplett ungeschnittener Rohschnitt, welcher es aber nicht auf die amerikanische DVD-Auswertung geschafft hat. Für diese musste er Federn lassen. Wie nett, daß das Kölner Label I-ON New Media diese Federn wohl wieder aufgelesen hat, und dem geneigten Zuschauer eine relativ ungekürzte Fassung präsentiert. Und wo wir schon beim Regisseur Viel sind: viel ist das richtige Stichwort. Denn im ersten Moment kann über den Hype in einigen Foren nur sagen: viel Rauch um Nichts.
EVIL BREED überzeugt zwar mit einem relativ netten, wenn auch vorhersehbaren Prolog und einem stylischen Abspann, fällt dann in der Qualität erstmal rapide ab. Ein sorgfältiger Storyaufbau ist zwar nett, allerdings verzettelt man sich in den Episoden mit den Teens und ihrem rumhacken auf die graue Maus der Gruppe und dem Geturtel zwischen Paul und Karon. Wäre da nicht der angesprochene Hausmeister Gary, welcher immer mal wieder Anspielungen über die Gefahren im Wald macht, wäre so mancher bestimmt schon eingeschlafen. Der Film gibt sich viel zu bieder und spult die üblichen Genreversatzstücke ab, die man auch in jedem noch so doofstem Slasher der 80er schon gesehen hat. Da nützen eigenltich auch die recht humorigen kleinen Unterhaltungen über die Klischees in Horrorstreifen – ähnlich á la SCREAM – nicht so recht. Den Geschichtsablauf hat man schon hundert mal gesehen, und das meist besser hingebogen als hier. So bleibt er vorhersehbar bis ins kleinste Detail.
Ganz leicht taut man bei Karons Erzählung über den Beane-Clan (welcher übrigens wirklich existiert hat) auf, welche mit netten Rückblenden im Stil alter Filme gefilmt ist, auf. Doch schnell fällt man in den alten Trott zurück und gerade dann, wenn man THE LEGEND OF SAMHAIN schon als durchschnittliche Massenware abstempeln will, gerade dann dreht der Streifen auf. Eigentlich ist er dies zwar auch, gewinnt aber gerade durch die letzte halbe Stunde. Während die ersten Meucheltaten übrigens zuerst noch relativ handzahm, schnell und im Slasher-Stil umgesetzt wurden, haut Viel in anderen Szenen mächtig auf die Kacke. In zwei Szenen geschieht dies sogar mit einer schönen Menge an schwarzem Humor, welchen man schon durchaus früher hätte auspacken sollen. Dazu gehört auch die Szene im Gemäuer, wenn der junge Herr ein Messer findet und ihm der Besitzer – einer des Inszes-Clans – dieses wieder haben will. Sehr schöne Situanskomik, bei der einem durch den folgenden Mord aber auch das Lachen im Halse stecken bleiben kann. Über die andere Szene sollte nicht allzu viel verraten werden, da man dies mit eigenen Augen gesehen haben muss. Nur soviel: dies ist ein wirklich sehr ungewöhnlicher und wortwörtlich zu verstehender, rektaler Eingriff!
Ja, und spätestens ab dann ist man auf einmal wieder hellwach und verfolgt EVIL BREED wieder mit mehr interesse und fragt sich, warum das denn bitteschön nicht gleich so ging. Denn wenn die Nachfahren des Beane-Clans auf der Mattscheibe endlich mal erscheinen und nach Nahrung suchen, dann entwickelt sich EVIL BREED zu einem schon atmosphärisch guten Hinterwäldler-B-Movie mit einigen wirklich derben Szenen. Schließlich darf sich dann auch noch die insgesamt für ca. fünf Minuten durchs Bild stolpernde Pornoqueen Jenna Jameson von den Kannibalen eine ganz besondere Behandlung geben lassen, die sich gewaschen hat.
Gerade der Kannibalen-Clan ist das interessanteste – kommt aber wie gesagt viel zu kurz. Die Geschwätzigkeit – welche bei manch anderen Streifen gar nicht schlimm ist und auch paßt – ist fast der Todesstoß für den Film. Die besten Momente hat er eh, wenn er im heimeligen Domizil, atmosphärisch wirklich sehr stark ausgeleuchtet, der bösen Menschenfresser spielt und hier so einige drastische Momente feiert. Hätte Viel diese beiden Seiten in einen gleichstarken Kontext aus ruhigen und derben Szenen hinbekommen, so wäre der Film ein wirklich feines, kleines Backwood/Terror-Filmchen. So bleibt er leider ein fast durchschnittlicher B-Streifen - übliche Massenware für den Allesschauer – der allerdings durch ein wirklich tolles Finale noch viel herausholen kann. Vor allem, da die gemächlichen Parts bestimmt nicht durch eine mimische Brillanz ausgeglichen werden kann. Die Leistungen sind zwar ganz solide, allerdings leidet die Glaubwürdigkeit doch ein ganzes Stück daran, daß die angeblichen Teenieschüler doch schon relativ alt aussehen.
Man hätte einfach eine Spur kompromißloser sein müssen und mehr wagen sollen. So bekommt man nicht den Anschein weg, daß Christian Viel erst recht spät erkannt hat, was die Stärken an seinem EVIL BREED sind und diese dann auch recht gut ausspielt. Wenn das die ganzen kurzen 80 Minuten Laufzeit über so gegangen wäre, dann hätte man da einen wirklichen Kracher am Start. So bleibt nicht mehr drin, als das es ein durchaus guter und anschauenswerter Film mit einigen Schwächen ist.
Gar nicht mal so übel. [3,5/5]